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Das Haus gewinnt immer – Vergleich des Glücksspiels in Deutschland und Südkorea



Glücksspiel ist weltweit ein großes Thema. Es kann nicht nur eine Sucht verursachen, häufig führt es von psychischen und physischen Erkrankungen bis hin zum finanziellen Ruin. Für die Betreiber stellt das Glücksspiel eine große Chance dar, da sie damit sehr viel Geld verdienen können. Für die Spieler hingegen stellt es ein großes Risiko dar, und zwar das Risiko alles zu verlieren. Das Thema Glücksspiel wird in jedem Land anders geregelt, in manchen Ländern wird es bekämpft, in anderen geduldet. Wie Deutschland und Südkorea damit umgehen, wird im Folgenden kurz dargestellt.


Gesetzliche Regelung
Deutschland: Für Kinder und Jugendliche sind alle Glücksspiele in Deutschland gemäß Paragraph 6 JuSchG verboten. Um ein Glücksspiel handelt es sich gemäß Paragraph 284 StGB, wenn die Beteiligung an dem Spiel gegen einen nicht ganz unerheblichen Einsatz erfolgt, ein ungewisses Ereignis, das nicht wesentlich von der Geschicklichkeit der Spieler bzw. Spielerinnen, sondern vom Zufall abhängt, über den Ausgang des Spieles entscheidet und um einen geldwerten Gewinn gespielt wird. Dieser Paragraph besagt auch, dass zur Veranstaltung eines Glücksspiels eine behördliche Erlaubnis notwendig ist und bei Fehlen dieser Erlaubnis eine Straftat vorliegt. Dabei macht sich nicht nur der Veranstalter, sondern auch die Spieler strafbar. Wer sich an unerlaubten Glücksspiel beteiligt, kann gemäß Paragraph 285 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen bestraft werden.
Südkorea: Personen, die spielen mit der Absicht Geld oder anderes Eigentum zu gewinnen, können mit einer Geldstrafe von maximal fünf Millionen Won bestraft werden gemäß Paragraph 246 Absatz 1 StGB. Gewohnheitsspieler können sogar zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe von bis zu 20 Millionen Won verurteilt werden gemäß Paragraph 246 Absatz 2 StGB. Dabei beachtet werden muss die Extraterritorialität gemäß Paragraph 2 und 3 des StGB. Die Gesetze gelten also nicht nur für Ausländer, die sich in Südkorea aufhalten, sondern auch für Koreaner, die sich im Ausland aufhalten. Dadurch machen sich Koreaner auch dann strafbar, wenn sie im Ausland Glückspiel betreiben oder Glückspiel nachgehen. Ein Beispiel dafür sind die drei Pitcher Yun Sung-hwan, An Ji-man und Lim Chang-ong des Baseballteams Samsung Lions, die 2015 in Macau Glückspiel betrieben haben. Nachdem sie wieder nach Südkorea gekommen sind, wurden sie verurteilt (Lim Chang-ong wurde z.B. zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Dollar verurteilt; außerdem wurde er für sechs Monate von der Koreanischen Baseball-Liga gesperrt). Auch Personen, die einen Ort für Glücksspiel eröffnen, machen sich gemäß Paragraph 247 StGB strafbar und können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe von bis zu 20 Millionen Won bestraft werden. Für den Verkauf von Lotterielosen kann eine Genehmigung erteilt werden. Fehlt diese Genehmigung jedoch, kann eine Freiheitsstrafe oder Geldstrafe verhängt werden. Der Erwerb von Lotterielosen von einem nicht berechtigten Verkäufer ist ebenfalls strafbar.
Ergebnis: Beide Länder haben also gesetzliche Regelungen im Bereich Glückspiel. Das Strafmaß hingegen fällt in Südkorea deutlich härter aus.


Offline-Glücksspiel
Deutschland: Gemäß dem 1. Glücksspieländerungsstaatsvertrag (GlüÄndStV) von 2012 werden in Deutschland insgesamt nur 20 Lizenzen an private Sportwetten Anbieter vergeben. Casinos und Glücksspielautomaten sind legal und zahlreich in Deutschland zu finden.
Südkorea: Obwohl Glücksspiel in Südkorea verboten ist, gibt es dennoch 22 Casinos. Jedoch dürfen 21 davon nur von Personen betreten werden, die keine Koreanischen Staatsbürger sind. Somit gibt es also genau eine Ausnahme: Gangwon Land Casino. In diesem Casino dürfen auch koreanische Staatsbürger spielen, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Da es in den Bergen, weit weg von Seoul gelegen ist, ist der Aufwand dorthin zu kommen sehr hoch und schreckt daher auch viele davon ab. Eine weitere legale Form von Wetten sind Sportwetten (Fußball, Basketball, Baseball, Volleyball, Gold, Ssirum etc.). Auch Pferdewetten sind legal. Des Weiteren gibt es mehrere legale Lotterien in Südkorea. Diese Formen von Glücksspiel sind in Südkorea zwar legal, werden aber gleichzeitig sehr streng überwacht und kontrolliert.
Ergebnis: Im Bereich Offline-Glücksspiel gibt es demnach keine wesentlichen Unterschiede zwischen Deutschland und Südkorea.


Online-Glücksspiel
Deutschland: Online-Glücksspiel ist in Deutschland verboten. Die Betreiber der Seiten können dabei angeordnet werden, die Seiten zu schließen, sofern sich deren Sitz in Deutschland befindet. Die Problematik liegt hier bei der Definition von Glückspiel und der Festlegung von Kriterien, die Glücksspiel identifizieren.
Südkorea: Auch das Online-Glücksspiel ist in Südkorea verboten, egal ob es über eine inländische oder ausländische Website geschieht. Die südkoreanische Regierung nimmt dieses Thema sehr ernst und setzt sich stark dafür ein. Unter anderem wurden z.B. auch die Spiele auf der Facebook-Seite sowie Farmville gesperrt. Für dieses Blockieren und Sperren von Websites ist das „Korean Intellectual Property Office (KIPO)“ zuständig. Er kann, soweit nach Prüfung die Website für unangemessen oder illegal angesehen wird, ohne weiteres sperren. Der Betreiber dieser Website kann nichts dagegen tun.
Ergebnis: Auch, wenn die Regelungen im Grunde sehr ähnlich sind, so geht Südkorea deutlich strenger gegen Online-Glücksspiel vor. Zum einen werden selbst Seiten mit geringem Gefährdungspotenzial gesperrt (wie z.B. Farmville), zum anderen unterscheidet das KIPO nicht, ob der Betreiber der Website im Inland oder Ausland sitzt, die Seite kann in beiden Fällen gesperrt werden.


Auswirkungen des Glücksspiels
Deutschland: Das Glücksspiel ist ein enorm großer Markt in Deutschland, um genau zu sein, ein Milliardenmarkt. Laut dem Jahrbuch Sucht 2013 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen verzeichnet der deutsche Glücksspielmarkt pro Jahr ca. 32 Milliarden Euro Umsatz. In etwa drei Milliarden Euro fließen aus dem Glücksspielmarkt in die Länderkassen in Form von Steuern, Abgaben und Gewinnausschüttungen. In Deutschland gibt es über 240.000 Spielautomaten in Gaststätten und Spielhallen, über 24.000 Lotterieannahmestellen und 76 Spielbanken und Automaten-Casinos. Die traurige Bilanz: Beinahe die Hälfte der erwachsenen Deutschen spielen regelmäßig, über eine halbe Millionen Menschen in Deutschland haben Probleme mit Glücksspielen und ca. 2.000 Personen sind deshalb in stationärer Behandlung. Es kennt dabei keine Altersgrenze und macht auch zwischen Männern und Frauen wenig Unterschied. Besonders gefährdet sind jedoch Personen bis 25 Jahre und männlichen Geschlechts.
Südkorea: Durch harte gesetzliche Regelungen versucht Südkorea das Glücksspiel und demzufolge auch die möglichen Auswirkungen von Glücksspiel zu verhindern. Tatsächlich sind die Auswirkungen des Glücksspiels in Südkorea weniger gravierend im Vergleich zu Deutschland. Genaue Statistiken über die Auswirkungen des Glücksspiels in Südkorea sind jedoch kaum zu finden.
Ergebnis: Die harte Vorgehensweise dämmt auch die Auswirkungen des Glücksspiels in Südkorea. Die Auswirkungen des Glücksspiels sind in Deutschland somit deutlich stärker und schwerwiegender als in Südkorea.


Maßnahmen gegen Glücksspiel
Deutschland: Durch gesetzliche Vorgaben werden die Rahmenbedingungen für Glücksspiel gesetzt. Hauptsächlich investiert Deutschland jedoch hohe Beträge in Aufklärung und Beratungsstellen. Des Weiteren soll durch den Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) gegen das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht verhindert und die Voraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung geschaffen werden. Deutschland geht daher hauptsächlich gegen die Auswirkungen des Glücksspiels, weniger gegen das Glücksspiel selbst vor.
Südkorea: Die Regierung Südkoreas geht vor allem mit harten gesetzlichen Regelungen, der Überwachung von Betreibern und Blockierung der Online-Glückspiel-Websites gegen Glücksspiel vor.
Ergebnis: Beide Länder gehen konsequent gegen Glückspiel vor. Jedoch versucht Südkorea, Glücksspiel komplett zu verhindern, wohingegen Deutschland zwar auch durch Präventionsarbeit versucht, Glückspiel zu verhindern, da es jedoch in bestimmten Rahmenbedingungen erlaubt ist, wird hier viel in Aufklärung und Behandlung der Suchterkrankten investiert.


Fazit: Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Südkorea deutlich härter und entschiedener gegen Glücksspiel vorgeht. Durch härtere Regelungen in Deutschland könnten die gravierenden Auswirkungen von Glücksspiel (Spielsucht, finanzieller Ruin etc.) gedämmt werden. Doch dies bedeutet eine Gradwanderung zwischen härteren Einschränkungen / Verboten und der Einschränkung der Freiheit. Sicher ist jedoch, dass bereits bei der Prävention eingeschritten werden muss und nicht erst bei der Suchtberatung, wenn es schon zu spät ist und Schaden (psychischer oder finanzieller Natur) entstanden ist.





© Christoph Bieramperl (2016)
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